Stürmische Alpensande am Farewell Spit

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Farewell Spit

Lust auf eine stürmische Strandwanderung?

Kaum trat ich am Fossil Point aus dem Schutz der Dünen, wehte der Wind mir einen Schwall Sand in mein Gesicht. Ich nahm es kaum wahr, denn viel zu sehr war ich von der vor mir liegenden Szenerie gebannt. Wind und Meer hatten eine wunderschöne Komposition aus Formen und Farben in den noch feuchten Sand gezeichnet! In den Prielen glitzerte das Wasser im Gegenlicht der noch tief stehenden Morgensonne. Von weiten rauschte das türkisblaue Meer, nur noch übertönt vom starken Wind, der an meiner Kleidung zerrte.

Fancy a stormy walk on the beach?
The pictures show an impressive walk on the beach of the windy Farewell Spit at the head of the South Island of New Zealand.


The narrow sand split in the Golden Bay is a protective wetland of international significance for more than 90 bird kinds. Only a small part of the Spit is publicly accessible. The fine sand comes from the Southern Alps and is transported by the rivers and the sea current northward. The Spit grows every year. At the end only a lagoon will be left from the Golden Bay.

The 12-km-long Spit Circuit Track via Farewell Spit begins in the parking bay near Port Puponga. He leads above the pastureland of the Punponga farm, the fossil Point along outer beach about the dune belt to inner beach, until one reaches again to the parking bay.
Enjoy the trip!

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Impressive mud flat at the Ocean Beach

Es war Ebbe und ich war am Farewell Spit an der Spitze der Südinsel von Neuseeland. 30km weit streckt die Nehrung schnabelartig ihr noch junges Land in den Pazifik. Abgerungen von den neuseeländischen Südalpen, wird von der Westküste über die Flüsse und die Meeresströmung der Tasmanischen See der feine Sand immer weiter ostwärts in die Golden Bay abgelagert. Irgendwann wird von der Bucht nur noch eine Lagune übrig bleiben.

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Wie das deutsche Wattenmeer gehört auch Farewell Spit zu den “Feuchtgebieten internationaler Bedeutung” der so genannten Ramser Konvention. Vorrangig zum Schutz für Wat- und Wasservögel ausgewiesen, werden die Gebiete nun auch zunehmend zum ganzheitlichen Schutz der Lebensräume und ihrer Arten weiterentwickelt.

Wenn die Kälte in Sibirien und Alaska hereinbricht, finden über 90 Vogelarten am Farewell Spit ihr neues Zuhause, brüten und ziehen ihre Jungen auf. Auf eigene Faust kommt man an die Sommergäste nicht heran.  Nach rund vier Kilometern am Strand ist Schluss. Zutritt zum streng geschützten Teil im Osten hat nur Farewell Spit Eco Tour. Freundlich winkte mir die Fahrerin des vollbesetzten Busses zu, dann verschwand er am Horizont. Schweren Herzens war ich nicht dabei. Doch auf meinem langen Roadtrip durch Neuseeland wollte ich außerhalb meines Autos jede freie Minute zu Fuß in der Natur verbringen.

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One reaches the protected part only with Farewell Spit Eco Tours.

Mittlerweile war Mittag und der Westwind hatte zugenommen. Wie ein stotterndes Auto trieb er mich ruckartig voran. Ich war froh, den Spit Track Circuit via Farewell Spit wie empfohlen im Uhrzeigersinn zu laufen. So hatte ich die starken Böen am windexponierten, ozeanzugewandten “Outer Beach” im Rücken und meine Kamera geschützt vor dem Bauch. Doch ich war neugierig. Was war hinter mir los? Ich wartete eine Böe ab und drehte mich um. Am Fossil Point formierte sich in der Ferne eine neue Sandfront. Wie Geister rasten helle Sandbänder auf mich zu. In letzter Sekunde wandte ich mich von dem Windschauspiel ab. Dann flog mir der Sand gegen die Kaputze. Klar, dass ich das noch einige Male wiederholen musste.

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Sand sweeps about the ground at Fossil Point.

Ich lief weiter, den Kopf gesenkt. Der Sandnebel vor mir ließ nichts Gutes erahnen. Wie lange noch? Irgendwo musste doch der Wegweiser sein, der mich durch den Dünengürtel zum Inner Beach und zurück zum Parkplatz leiten soll. Doch ich sah nichts. Ich blickte auf mein Smartphone. Das GPS zeigte auf der Karte gut 100 m Entfernung bis zur Weggabelung an. Ich beschleunigte mehr hüpfend als laufend meinen Schritt. Endlich! Von weiten tauchte im Sandnebel verschwommen der orange Punkt des Wegweisers auf.

 

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Whirled up sand from the dunes on the Ocean Beach.

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Really 15 min? The view was bad and I lost the way.

 

Im 45 Graf Winkel bog ich ab. 15 Minuten sollte es dauern. Doch wo war der Weg zwischen den Dünen? Der Sand war überall und stach wie 1000 Nadeln in mein Gesicht. Besorgt schaute ich auf meine Kamera. Ein Segen hatte ich den schützenden Polfilter auf dem Objektiv. Irgendwie schaffte ich es noch einige Bilder von der diesigen Landschaft zu machen, dann war endgültig Schluss. Kurzerhand stopfte ich die Kamera in eine Plastiktüte, die ich in eine der Außentaschen des Rucksackes gesteckt hatte.

 

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Dune from the dune belt between Ocean Beach and Inner beach.

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Sandy fog in the valley between the dunes.

Ich war erschöpft und hätte mich am liebsten zum Ausruhen in den Sand gesetzt. Und auch wenn ich wusste, prinzipiell konnte mir nichts passieren – einfach geradeaus Richtung Meer – das mulmige Gefühl im Bauch war nicht zu leugnen. Ich musste auf eine der hohen Dünen. Von da aus würde ich eine bessere Sicht haben.

Meine Beine versanken bis zu den Knien im lockeren Sand, während ich müde aufwärts stapfte. Wow, was für eine Aussicht! Und ein Segen war der aufgewirbelte Sand auf der Dünenspitze nicht so schlimm wie am Boden. Ich packte die Kamera aus. Schön auf dem unteren Bild zu sehen ist die sukzessive Besiedlung des Gebietes durch verschiedene Gräser und Büsche. Auch seltene Pflanzen gibt es hier.

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Wonderful view at the top of the dune.

Dann blickte ich nach Süden zum “Inner Beach” der Golden Bay und staunte. Noch niemals habe ich ein so unglaublich orangefarbenes Watt gesehen!

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Wow! Astonishingly orange mud flat of the Inner Beach.

Auf der gut 12 km langen Rundwanderung sind mir an diesem Tag im Dezember nur ein Dutzend Leute begegnet. Farewell Spit ist ein wirkliches Juwel abseits vom Haupttourismus, der sich im Abel-Tasman-Nationalpark zentriert. Da, wo man Wind nicht nur spürt, sondern auch überall sieht. Unbedingt empfehlenswert!

Weitere Infos:
Außer dem Spit Track Circuit gibt es am Cape Farewell  noch weitere schöne Wanderungen, z.B. zum Wharariki Beach, inklusive Seehunde, und entlang der Steilküste mit tollen Ausblicken. Das neuseeländische Department of Conservation hält hier viele weitere Informationen bereit.

GPS Spit Circuit Track via Farewell Spit bei Viewranger

Neuseeland in progress

 

 

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4 thoughts on “Stürmische Alpensande am Farewell Spit

    • Liebe Maren, ich bin mir sicher, Dir hätte die Wanderung genauso viel Spaß gemacht wie mir. Und ganz so stürmisch ist es dort bestimmt nicht jeden Tag. Hatte aber dadurch den gewissen Adrenalinkick und das Gefühl, vollends in die Natur “abzutauchen”! LG Simone

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